Vom Zählen der Jahresringe

Dendrochronologie

Ausschnitt einer 170-jährigen Fichte, Markierungen bei jedem 10. Jahrring / Bild: ©sylvacom

Dendrochronologie bezeichnet die Wissenschaft, die sich mit der Bestimmung des Alters und der Herkunft von Holzproben befasst. Dendrochronologen sind in der Lage, das Alter eines Holzes auf der Basis der Vermessung der Jahresringabstände zu bestimmen. 

Bäume weisen in Jahren mit guten Wachstumsbedingungen breitere Jahresringe auf als in kalten oder trockeneren Jahren. Alle Bäume einer Art, die in einem bestimmten Gebiet ähnlichen Lebensbedingungen ausgesetzt sind, weisen in etwa die gleiche charakteristische Abfolge von schmalen und breiten Jahresringen auf.  

Im Labor werden an Querschnitten von Holzproben die Jahrringbreiten auf 1/100 mm genau ausgemessen. Referenzwerte werden in grossen Datenbanken gesammelt. So können Dendrochronologen sowohl das Alter als auch die ungefähre geographische Herkunft von Hölzern bestimmen. 

 

Von Käseschachteln und Geigen

Bild: Samuel David Pillet (1745-1810) Transport von Fässern mit Greyerzer Käse auf Eseln im Greyerzerland (Rossinière) 

Um die Jahrtausendwende stellt sich bei der Untersuchung einer alten englischen Geige von 1797 heraus, dass das verwendete Holz eine sehr hohe Übereinstimmung mit Hölzern aufweist, die in den Freiburger Voralpen in einer historischen Alphütte verbaut wurde. Die englische Geigendecke wurde höchstwahrscheinlich mit Fichtenholz aus den Freiburger Voralpen hergestellt.

Wie aber kam das Holz nach London?

Der Dendrochonologe Patrick Gassmann, Neuchâtel, stellt folgende These zur Diskussion:

Dokumentiert ist der Export von Greyerzer Käse bereits im 18. Jh. In grossen Holztonnen aus Fichte wurde der Käse bis nach England transportiert. Es wäre denkbar, dass das Holz der Tonnen von einzelnen Londoner Geigenbauern wiederverwendet wurde … 

Auch von Pariser Geigenbauern gibt es Berichte, dass Fichtenholz aus den Schweizer Voralpen sowie dem Jura äusserst begehrt waren. Überliefert ist eine Reise des Pariser Geigenbauers J.B. Vuillaume in die Schweiz, von der er allerdings nicht mit frisch geschlagenen Holzstämmen, sondern mit alten Kirchenbänken heimgekehrt sei.