Brescia

Vom Archaischen zum Stilprägenden

  Pestlazarett 17. Jh. (Quelle: Wikipedia)

Der Geigenbau in Brescia entwickelt sich in der Mitte des 16. Jh., etwa zur selben Zeit wie im nicht weit entfernten Cremona.

Geigenbauer wie Michelli und Peregrino Zanetto (ca.1520-ca. 1603), Gasparo Bertolotti «da Salò» (1540-1609) oder später Giovanni Paolo Maggini (1580-1630) bauen Instrumente, die sich in Bauweise und Stil stark von den Cremoneser Instrumenten unterscheiden. Die, in Cremona etablierte Konstruktionsmethode auf einer Innenform kennt man in Brescia zunächst nicht. Hier werden die Instrumente noch auf dem ausgesägten Boden «aufgeschachtelt», wie es zu der Zeit nördlich der Alpen auch üblich ist.

Violen von Gasparo Bertolotti «da Salo», Brescia 1590 und Gebrüder Amati, Cremona 1617 (Fotos: Tarisio)

Die archaisch anmutende Art vieler Brescianer Instrumente ist aber nicht weniger stilprägend als der akkurat, formvollendete Stil der Cremoneser Meister. So orientieren sich z.B. englische Geigenbauer des 17. Jh.oft an brescianischen Vorbildern. Auch Giuseppe Bartolomeo Guarneri «del Gesu» (1698-1744), einer der grossen Cremoneser Meister liess sich offenbar vom Stil Gasparo da Salòs und Magginis beeinflussen.

Die Pest von 1630, der auch Giovanni Paolo Maggini zum Opfer fällt, besiegelt das vorläufige Ende der brescianischen Blütezeit.  

Erst gegen 1664 wird die Geigenbautradition durch die Ankunft von Giovanni Battista Rogeri (1642-1705), der sein Handwerk bei Nicolo Amati in Cremona erlernt hat, wieder aufgenommen.