Als im Jahr 1937 anlässlich einer Ausstellung in Cremona zum 200. Todestag von Antonio Stradivari etwa 2000 angebliche Instrumente des Meisters eingereicht wurden, konnten nur etwa zwei Prozent davon von den Sachverständigen einwandfrei Stradivari zugeschrieben werden.
Eine hitzige Debatte darüber, wie der Inflation an falsch zugeschriebenen alten Meisterinstrumenten im Handel Einhalt zu gebieten wäre, führt zu keinem Ergebnis. Das Grundproblem: die Expertise von alten Instrumenten lag in der Hand der Händler, die sich einen Namen als Sachverständige gemacht hatten. Deren Interessenkonflikt lag damit auf der Hand.
1951 wurde in Zürich die «Beratungsstelle für altitalienische Streichinstrumente» gegründet. Den Vorsitz der Beratungsstelle hatte Giovanni Iviglia, Generalsekretär der italienischen Handelskammer für die Schweiz. Die Beratungsstelle setzte sich zum Ziel verlässliche Analyseverfahren anzubieten, insbesondere die Fluoreszenzanalyse unter UV-Licht. In der Beratungsstelle waren, neben dem Zürcher Geigenbauer Carl Mächler u.a. auch Prof. Max Frei -Sulzer, Forensiker der Stadtpolizei Zürich tätig.
Etwa 90 % der vorgelegten, mutmasslich altitalienischen Instrumente wurden von dem Gremium als nicht echt bezeichnet. Für die meisten dieser untersuchten Instrumente wurden von Besitzern aber wiederum Echtheits- und Wertbestätigungen namhafter, internationaler Experten vorgelegt.
Die Befunde der Beratungsstelle lösten in der Fachwelt scharfe Proteste aus. Man warf der Behörde mangelnde stilkritische Kenntnis und unbrauchbare Analysemethoden vor. Der angesehene Londoner Experte Desmond Hill hinterlegte gar bei der italienischen Botschaft seines Landes eine Protestnote und warnte vor wirtschaftlichen Konsequenzen.
In der Tat stellte sich in den folgenden Jahren und mit fortschreitenden Analysemöglichkeiten heraus, dass die Beratungsstelle die Aussagekraft ihrer Analyseverfahren falsch eingeschätzt hatte. Etliche Befunde der Beratungsstelle erwiesen sich als falsch.
Heute verfügt man über neuere wissenschaftliche Analyseverfahren und einer besseren Kenntnis der bereits bekannten Verfahren.
Film: Wochenschau über Beratungsstelle
